Welt 28.01.2026
05:18 Uhr

„Die alte Welt ist weg“, sagt Mette Frederiksen – und weist die Nato in die Schranken


Erst Mette Frederiksen, dann Uschi Glas: Sandra Maischberger empfängt in einer Sendung die dänische Ministerpräsidentin und die Schauspielerin. Politisch werden beide Gespräche. Frederiksen betont rote Linien, Glas sieht die Demokratie auch in Deutschland in Gefahr.

„Die alte Welt ist weg“, sagt Mette Frederiksen – und weist die Nato in die Schranken
Arbeiterinnen in Lagos, Nigeria, benutzen Rasierklingen, um Etiketten von Plastikflaschen zu kratzen. (Foto: Sunday Alamba/AP/dpa)

Der Streit um Grönland, die Zukunft der transatlantischen Beziehungen und die Frage, ob die alte Weltordnung noch Bestand hat – bei „Maischberger“ am Dienstagabend ging es zunächst um internationale Politik. Später in der Sendung interviewte Moderatorin Sandra Maischberger dann Schauspielerin Uschi Glas, die zur Verteidigung der Demokratie aufrief. Den Ton für den Abend setzte ein ausführliches Interview mit Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Sie machte einmal mehr unmissverständlich die dänische Position klar. „Grönland ist ein Teil des dänischen Königreiches, wir sind ein souveräner Staat“, sagte sie. „Der Respekt vor dem Völkerrecht, der Respekt vor der Souveränität lässt sich nicht diskutieren“. Souveränität und territoriale Integrität der Arktisinsel seien damit die roten Linien in den anstehenden Gesprächen mit der US-Regierung. Über eine stärkere Sicherung der Arktis im Rahmen der Nato könne man sprechen. Gleichzeitig grenzte sie die Rolle des Bündnisses klar ab: „Die Nato kann nicht im Namen von Dänemark und Grönland verhandeln. Die Nato kann ihre eigene Verantwortung erfüllen“. Nach der grundsätzlichen Einigung im Streit um Grönland zwischen den USA und Europa sollen nun Details ausgehandelt werden, etwa Souveränitätsrechte für die USA auf ihren Militärbasen nach dem Vorbild Großbritanniens auf Zypern (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6971c8f2568b91954b0ead31/groenland-usa-sollen-offenbar-alle-militaerbasen-auf-arktisinsel-uebernehmen.html) . Wann Ergebnisse in den Gesprächen mit Donald Trump zu erwarten seien, ließ Frederiksen offen. „Dazu verwenden wir unsere Zeit nicht“, sagte sie auf die Frage nach möglichen Boykotten oder symbolischen Schritten. Umso wichtiger sei es, dass Europa geschlossen auftrete. „Ich bin sehr froh, über die europäische Unterstützung“, betonte sie und fügte hinzu: „Wir müssen innerhalb der demokratischen Spielregeln zusammenhalten“. Frederiksen unterstrich zugleich, dass Dänemark an einem konstruktiven Verhältnis zu den USA interessiert sei – ohne Zugeständnisse bei zentralen Prinzipien. „Der Respekt vor dem Völkerrecht, der Respekt vor der Souveränität lässt sich nicht diskutieren“, wiederholte sie. Ihre Analyse der weltpolitischen Lage fiel ernüchternd aus. „Die alte Welt ist weg“, sagte Frederiksen. Und weiter: „Ich glaube nicht, dass sie zurückkommt. Wir müssen mehr Waffen produzieren. Wir müssen auf Aufrüstung setzen“. Europa müsse sich stärker integrieren und in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen. Ähnlich hatte bereits zum Sendungsbeginn die Runde der Journalisten und Experten geurteilt. „Die Europäer können nur überleben, wenn sie zusammenhalten“, sagte Moderator Johannes B. Kerner. Axel Springer Global Reporter Paul Ronzheimer (u.a. „Bild“ und WELT) verwies nach dem Gespräch mit Frederiksen auf den Ukraine-Krieg. Auch Kremlchef Wladimir Putin stelle das Prinzip der staatlichen Unverletzlichkeit infrage. „Donald Trump sieht, Putin ist ‚der Starke‘ und Selenskyj ist ‚der Schwache‘“, sagte Ronzheimer mit Blick auf den ukrainischen Präsidenten. Juristin Sandra Navidi, die selbst seit vielen Jahren in den USA lebt, lenkte den Fokus auf das Vorgehen der Trump-Regierung gegen illegale Einwanderer und Asylbewerber. „Was Donald Trump tut, ist ein Putsch von Innen. Er braucht eine Militarisierung der Polizei, er braucht eine gewaltvolle Durchsetzung.“ Zugleich formulierte sie einen schweren Vorwurf gegenüber den ICE-Agenten: „Sie wollten, dass diese Menschen sterben“. Uschi Glas: „Die demokratischen Menschen sind zu still“ Nach der Weltpolitik wurde es persönlich. Schauspielerin Uschi Glas sprach über ihr Buch „Du bist unwiderstehlich, Wahrheit“ und die Geschichte ihres Vaters, der von der SS zwangsrekrutiert wurde und auf dem Balkan kämpfte. „Es war nicht so überraschend“, sagte sie. „Ich bin froh, dass ich es jetzt weiß.“ Ihre Einordnung entspricht der gängigen Erzählung des Mitläufertums.„Diese Generation, die Generation meiner Großeltern und meiner Eltern, die sind ja keine geborenen Mörder, die sind da reingeschlittert“, sagte Glas. Aus dieser Auseinandersetzung und der Debatte um Autokratien leitete Glas eine deutliche Warnung für die Gegenwart ab. „Es ist auch bei uns beängstigend. Die demokratischen Menschen, die Demokratie wollen, sind zu still, die sagen nichts und die anderen von links und von rechts bedrängen die Demokratie“, sagte sie. „Ich bin entsetzt, wie wenig Menschen ihre eigene Demokratie verteidigen wollen.“ Ihr Fazit: „Ich glaube, es ist ziemlich ernst.“ Politisch positionierte sich Glas klar. Während ihr Vater später SPD-Mitglied wurde, habe sie selbst Sympathien für die CSU entwickelt. Wirtschaftlich plädierte sie für Härte und Eigenverantwortung: „Wir müssen den Mittelstand stärken, wir müssen die Industrie stärken.“ Angesichts der Lage müsse man „den Gürtel enger schnallen“. Einen späteren Renteneintritt befürwortete sie: „Auf jeden Fall.“ Glas hatte als Jugendstar 1966 eine Hauptrolle in dem Winnetou-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“. Daher fragte Maischberger sie auch nach der Kritik an den Indianerfilmen. Auf die Frage, ob sie die Kritik verstehen könne, antwortete sie: „Nein.“ Und legte nochmal nach: „Ich fand diese ganze Diskussion lächerlich.“